weiße Sorten

Die Rebsorte ist für den Charakter eines Weines entscheidend. Klima, Boden und der Ausbau im Keller bewirken, dass Weine derselben Rebsorte je nach Anbaugebiet unterschiedlich schmecken können. Weltweit sind ca. 8000 Rebsorten bekannt, in Deutschland werden etwa 50 Sorten angebaut. In den Lagen des Weingutes Herzer werden folgende weiße Rebsorten angebaut:
Bacchus

Neuzüchtung von Peter Morio und Bernhard Husfeld aus der Kreuzung von (Silvaner x Riesling) x Müller-Thurgau. Durch gute Anpassungsfähigkeit und frühe Reife eignet sich der Bacchus sehr für das Anbaugebiet Saale-Unstrut. Hier entfaltet sich das kräftige und fruchtige Bukett besonders. Duft und Aroma überraschen und faszinieren auch skeptische Weinkenner. Bacchus ähnelt etwas dem Müller-Thurgau, erzielt jedoch höhere Mostgewichte. Der Wein weist bei gekonntem Ausbau ein blumiges, dezentes Muskataroma auf, das einen Hauch von schwarzer Johannisbeere und Kümmel enthalten kann. Er sollte jung getrunken werden.


Grauer Burgunder

Die Sorte ist vermutlich aus einer Knospenmutation des Blauen Spätburgunders entstanden, seine Ursprünge wurzeln wahrscheinlich im Burgund. Die Trauben haben eine rosa bis blaue Farbe und ergeben einen gold-gelben Wein mit manchmal rötlichen Reflexen. Die Sorten der Burgunderfamilie neigen allgemein stark zu Mutationen, diese treten an einzelnen Rebstöcken teilweise von Traube zu Traube auf, d.h. es können an einem Rebstock sowohl weiße, wie rosa und rote Trauben hängen. Die deutsche Bezeichnung Ruländer geht auf den Kaufmann Johann Seeger Ruland aus Speyer zurück, der die guten Anlagen dieser Rebsorte erkannt hatte. Der heute gebräuchliche Sortenname Grauer Burgunder oder Grauburgunder hat die Bezeichnung Ruländer allerdings weitgehend zurückgedrängt. Vollreifes Lesegut ergibt hervorragende Spätlesen mit dezenter, harmonischer Restsüße, oder auch edelsüße Weine. Der gebietstypische Säuregehalt verleiht den charaktervollen Weinen ein stabiles Rückgrat und eine gute Lagerfähigkeit. Nach einem Jahr Lagerzeit beginnt der Graue Burgunder sein charakteristisches Bukett zu entfalten – und sollte dann getrunken werden.

Kerner

1929 von August Herold in Weinsberg aus der Kreuzung von Trollinger und Riesling gezüchtet. Seit 1969 für den deutschen Weinbau klassifiziert und heute eine der wichtigsten Rebsorten in Deutschland. Der Sortenname geht übrigens auf den im württembergischen Weinsberg lebenden Dichter Justinus Kerner (1786-1862) zurück. Die Ansprüche dieser Rebsorte an Lage und Boden sind fast so hoch wie beim Riesling, er ist recht robust, selbst kalte Winter können ihm nicht viel anhaben. Gute Qualitäten können durchaus einige Jahre gelagert werden.

Müller-Thurgau

Die Müller-Thurgau-Rebe wurde 1882 von Hermann Müller, einem Schweizer aus Thurgau, an der Lehranstalt für Obst-, Wein- und Gartenbau in Geisenheim gezüchtet. Sie wurde als eine Kreuzung von Riesling und Silvaner angesehen. Charakteristisch ist die dezente Muskatnote, ihre Leichtigkeit und fruchtige Frische. In den meisten Jahrgängen gibt Müller-Thurgau weiche, milde Weine mit angenehmem Säuregehalt, die jung am besten schmecken. Infolge seiner guten Eignung für die besonderen klimatischen Verhältnisse im Anbaugebiet Saale-Unstrut ist er mit 23% Anteil an der gesamten Anbaufläche die mit Abstand am meisten angebaute Rebsorte. Auf Muschelkalkboden bringt der Müller-Thurgau mineralische Weine mit feinen Zitrusaromen hervor. Besonders duftig zeigt er sich bei langsamer Reife und gekülter Gärung. In anderen Weinanbaugebieten wird die Rebsorte Müller-Thurgau auch Rivaner genannt.

Ortega

1948 gezüchtet aus der Kreuzung Müller-Thurgau und Siegerrebe. Die Sorte wurde von dem Züchter Hans Breider nach dessen Lieblingsphilosophen, dem Spanier José Ortega y Gasset, benannt. Die frühreifende Rebsorte liefert hohe Mostwerte und bringt feinfruchtige, harmonische Weißweine. Im Anbaugebiet Saale-Unstrut werden daraus regelmäßig auch erstaunliche edelsüße Spezialitäten wie Beeren- und Trockenbeerenauslesen gekeltert.

Ortega
Riesling

Diese edelste Keltertraube deutscher Weine ist eine sehr alte Rebsorte. Urkundlich erstmalig 1430 aus der Gegend von Worms erwähnt und vermutlich im Oberrheingebiet aus einer Wildrebe entstanden, ist auch die Herkunft des Namens bis heute nicht eindeutig bestimmbar. Da die Trauben nur bei ausreichender Wärme ihre optimale Reife erreichen, stellt diese spätreifende Sorte auch an Saale und Unstrut allerhöchste Ansprüche an die Weinbergslagen – am liebsten die geschützten, wärmespeichernden Steillagen in den Flußtälern. Der Riesling unterscheidet deutlich sich von denen anderer Anbaugebiete. Er ist nicht so schwer und breit, dafür filigran, feinfruchtig und mit zarten Zitrusnoten.

Silvaner

Der Silvaner war früher die wichtigste Rebsorte an Saale-Unstrut, bis sie in den letzten 40 Jahren vom Müller-Thurgau zurückgedrängt wurde. Als Herkunftsland wird heute Rumänien angenommen, da die Sortenbezeichnung Silvaner (alte Schreibweise Sylvaner) auf Transsylvanien (Siebenbürgen) hinweist. Im deutsprachigen Raum zuerst in Österreich angebaut und von dort aus über Franken weiter verbreitet, wird der mittelfrühreifende Silvaner im Saale-Unstrut-Gebiet seit 1780 angebaut und ist hier mit 9% Anbaufläche eine der bevorzugten Weißweinsorten. Die Weine des Silvaners besitzen oft erdige, kräuterige Noten in Duft und Geschmack. Auf Gesteins- oder Kiesböden entstehen sehr elegante und fruchtige, auf besseren Böden gehaltvolle Silvanerweine, die durchaus in Deutschlands Oberklasse der Silvaner mithalten können.

Weißer Burgunder

Der Weiße Burgunder ist wahrscheinlich vor sehr langer Zeit durch Mutation aus dem Grauen Burgunder entstanden. Diese Sorte ist im Herkunftsland Frankreich seit dem 14. Jahrhundert bekannt. Die früher übliche Bezeichnung “Weißer Klevner” wurde 1874 in Weißer Burgunder umgewandelt, um deutlich zu zeigen, daß zum Blauen Burgunder und zum Grauen Burgunder eine enge Verwandtschaft besteht. Weißburgunderweine besitzen ein sortentypisches Bukett. Sie stellen elegante, glatte, sehr harmonische und reintönige Weine dar. Die Rebsorte nimmt mit 12 % nach dem Müller-Thurgau mittlerweile den zweiten Platz in der angebauten Rebfläche ein und hat damit den Silvaner auf den dritten Platz verdrängt. Der Weiße Burgunder spielt an Saale und Unstrut wegen des ausgeglichenen Verhältnisses von Säure und Frucht auch eine wichtige Rolle in der Sektproduktion der Region.